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1. Preis

Hanna Porepp

für "Alles schläft, einsam wacht"

Urteil der Jury:

Von der Einsamkeit und Kommunikationslosigkeit alter Menschen in der Gesellschaft erzählt die tiefsinnige Kurzgeschichte „Alles schläft, einsam wacht“ der Autorin Hanna Porepp. Marianne, deren geliebter Mann Norbert gestorben ist, betritt an einem kalten Wintertag mit ihrem Rollator die Apotheke, um Schlaftabletten zu kaufen. Sie ist dankbar für die Wärme, die ihr entgegen schlägt und wünscht sich ein klein wenig Ansprache. Doch egal, was Marianne erzählt, die Apothekerin, eine „junge Dame in einem weißen Kittel“, schenkt ihren Worten keine Beachtung.
Es gelingt der Autorin Hanna Porepp mit viel Gefühl für Dialog und Sprache nicht nur die Einsamkeit von Marianne, sondern auch die Gleichgültigkeit, die alten Menschen in einer Gesellschaft entgegen schlägt, die immer anonymer zu werden droht, für die Leser fühl- und spürbar zu machen. Auch Mariannes Andeutung, dass sie „ihren Norbert vielleicht bald wieder sieht“, löst bei der Apothekerin, die damit beschäftigt ist, das Kleingeld zu zählen, keinerlei Reaktion aus. Auch dann noch nicht, als Marianne andeutet, „vielleicht doch ein paar mehr von den Tabletten zu nehmen, als der Arzt ihr verschrieben hat.“
Hinter Marianne klingelt es bereits und ein neuer Kunde betritt die Apotheke, während sie mit ihrem Rollator zurück in die Kälte geht und von eisigem Wind empfangen wird. Das offene Ende lässt dem betroffenen Leser Raum zum Weiterdenken und führt zu der Erkenntnis, dass manche Probleme zu groß sind, um darauf eine eindeutige Antwort zu haben.

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2. Preis

Silke Mahrt

für "Verrat"

Urteil der Jury:

Die Kurzgeschichte „Verrat“, die inhaltlich und sprachlich-stilistisch wie ein Spannungsroman aufgebaut ist, erzählt von den psychologischen Mechanismen einer Frau, die von ihrem Mann verlassenen wurde. „Ihr schaute eine alte Frau entgegen. Das Make-up war verlaufen, wässrig-blaue Tränenspuren liefen über ihre Wange. Die Falten um Mund und Augen wirkten wie verknittertes Papier“. Um ihr Selbstwertgefühl zurück zu erlangen, täuscht sie einen Überfall vor. Die personale Erzählerin fragt sich, ob sie an alles gedacht hat, bevor sie die Haustür öffnet und blutend auf die Straße stürzt. Gerne hätte sie „ihren Verletzungen noch Würgemale“ hinzugefügt, aber die „Schnitte mussten reichen“. Das Messer, mit dem sie sich die Schnitte zugefügt hat, hat sie „für ihn gekauft, für sie, für sich selbst, sie wusste es nicht."
Gekonnt steigert die Autorin Silke Mahrt das Erzähltempo an der Stelle, an der die Handlung eine entscheidende Wende nimmt. Plötzlich ist die langersehnte Aufmerksamkeit da: „ein fremder Mann, dem sie um den Hals fällt, die Polizei, ein Rettungswagen. Eine Polizistin hüllte sie in eine Decke. Sie merkte, wie sehr sie fror." Nachdem die Protagonistin es geschafft hat, wieder Kontakt zu ihrem Mann aufzunehmen, betrachtet sie ihr Gesicht in ihrem Schminkspiegel. Doch anders, als in der Anfangsszene, ist sie sich nun sicher, dass sie „schön ist“.

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3. Preis

Claudia Dengler

für "Auch-noch-Zettel"

Urteil der Jury:

Auch-Noch-Zettel sind Arbeitsblätter, mit denen man in der Schule nicht fertig geworden ist und diese Blätter muss man dann, „nomen est omen“, nach den Hausaufgaben „auch noch machen“. Die Ich-Erzählerin, Mutter einer Tochter, besteht darauf, dass das Kind erst einmal nicht „fernsieht“, sondern diese Blätter – wie der Name schon sagt - „auch noch macht“. Dabei werden Mutter und Tochter zu Prota- und Antagonistinnen und verwickeln sich in einen nervenzehrenden verbalen Machtkampf.
Aus der unmittelbaren Perspektive der Ich-Erzählerin ist der Autorin Claudia Dengler eine humorvolle Szene aus dem Alltag gelungen, die vom täglichen Kampf einer Mutter erzählt, die ihre Tochter an Pflichten gewöhnen will. Die Leser erleben aus der direkten Ich-Perspektive hautnah mit, wie die überlegten Strategien der Mutter an immer neuen und originellen Argumenten der Tochter scheitern. Die Erkenntnis, dass die Hausarbeit im Vergleich zur Kindererziehung eine wahre Wohlfühloase ist, kann der Leser von Anfang bis Ende sehr gut nachvollziehen:
„Was bin ich dankbar, dass sich die Wäsche widerspruchslos in die Waschmaschine stecken lässt, der Besen nicht zur Toilette muss und das Dampfbügeleisen so gar nicht dehydriert aussieht.“

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4. Preis

Katja Grosler

für "Das Gefühl"

Urteil der Jury:

Von der Kraft, die von einem warmen und geborgenen Zuhause ausgehen kann, erzählt Katja Groslers Kurzgeschichte „Das Gefühl“. Es ist kalt. So kalt, dass Maries „schicke weiße Adidas Superstar Schuhe mit den glitzernden Seitenstreifen sich in kalte Eishöhlen verwandeln“. Marie läuft durch die Nacht. Nur die Gewissheit, dass sie „ihrem Haus, ihrer Höhle, ihrem Nest“ mit jedem Schritt näher kommt, gibt ihr die nötige Kraft, den eisigen Nachhauseweg durchzustehen. „Die kleinen spitzen Kieselsteine, die in ihre Fußsohlen stechen“, spürt sie nicht mehr. Der Gedanke, dass es nicht mehr lange dauert, bis sie ankommt, lässt sie allen Schmerz vergessen.
Die Autorin Katja Grosler stellt eine Jugendliche, die ihre innere Kraft aus der Gewissheit zieht, dass sie ein sicheres Zuhause hat, das mit jedem Schritt näher rückt, als personale Erzählerin in den Mittelpunkt der anschaulich und detailreich beschriebenen Handlung. Die Sinne der Leser werden durch die Darstellung angesprochen, so dass sie an Maries „Gefühl“ und der Wärme, die in ihrem Elternhaus herrscht teilnehmen und den „Duft von Zimt, Orangen und Vanille“ förmlich riechen und spüren können. „Was nimmt man nicht alles auf sich für dieses Gefühl“, lautet die Erkenntnis, die am Ende steht.

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5. Preis

Nathalie Martius-Weber

für "Take off auf der Rolltreppe"

Urteil der Jury:

Eigentlich will Edvard in der Buchhandlung nur ein neues Buch kaufen, um seine Frau damit zu überraschen. Doch als er die Rolltreppe betritt, verliert er den sicheren Boden der Realität unter den Füßen und wird in eine fantastische Begebenheit hineingezogen. Ein Kampf mit der Rolltreppe, die „ruckelt“, „buckelt“ und „wie ein Rodeopferd kleine Bocksprünge vollführt“, um schließlich zu einer Wellenbewegung zu werden, beginnt. Bis Edvard beschließt, die Rolltreppe zu „surfen“...
Die Autorin Nathalie Martius-Weber vermittelt den Lesern unterhaltsam und in aktionsreichem Erzählstil die Erkenntnis, dass nur Menschen mit Fantasie es schaffen können, sich der Sogwirkung, die von Büchern ausgehen kann, zu widersetzen. Die Leser werden in die fantastischen Begebenheit ebenso unmittelbar hineingezogen wie der personale Erzähler und sie fiebern mit dem Protagonisten mit, der verzweifelt gegen die Rolltreppe kämpft. Am Ende verschwindet die Rolltreppe wieder in der Wand und die Handlung kommt wieder in der Realität aus. Der Protagonist „ordnet seine Kleidung und sein Haar und tritt zufrieden an den nächsten Büchertisch“.

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