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1. Preis

Nadin Steiner

für "Damals"

Urteil der Jury:

Von der Macht der Worte, mit deren Hilfe es gelingt, einen Anfang zu bilden, der die Ich-Erzählerin vom Ende wegholt, handelt die, in literarisch ausgereiftem Stil und differenzierter Sprache geschriebene Kurzgeschichte „Damals“ der Autorin Nadin Steiner.
Aus unmittelbarer Erzählperspektive wird der Selbstfindungsprozesses der Ich-Erzählerin, der es am Ende gelingt, ihrem Leben mithilfe von Worten eine neue Richtung zu geben und „sich selbst eine Hand zu reichen“ eindringlich beschrieben. „Denn du kannst dir nicht unbegrenzt Schaden zufügen und hoffen, unbeschadet davon zu kommen.“
Die authentische, lebendige Sprache des Kindes wird vom Leben, von den Menschen, der Familie, der Schule und von vorgeschriebenen Verhaltensweisen erdrückt und zum Schweigen gebracht. Doch verliert die Hauptfigur ihr Ziel, zurück zu kehren in die Zeit, in der sie ein Kind war und das Leben geliebt hat, von Anfang bis Ende nicht aus den Augen und findet schließlich einen neuen Weg.
Die Erkenntnis, dass Menschen, die in ihrem Leben eine Zeit, in der es Freude und Hoffnung gab, erlebt haben, niemals aufhören werden, um ein erfülltes Leben zu kämpfen, und sich dieser Kampf lohnt, lässt die Leser am Ende mit einem optimistischen Gefühl zurück.

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2. Preis

Christina Faust-Henrich

für "Oben drauf"

Urteil der Jury:

Elvira Arg bekam wegen mir immer einen oben drauf...
In ihrer Kurzgeschichte „Oben drauf“ erzählt die Autorin Christina Faust-Henrich in unterhaltsamen und humorvollen Sprachstil von der Freundschaft der Ich-Erzählerin zu Elvira Arg, die sie bereits im Alter von wenigen Monaten im Gruppenraum der Familienbildungsstätte kennen lernt und die immer einen „oben drauf“ kriegt....
Ob Hightech Schnuller, Omas guter Rat, pinkfarbene Butterbrotdose oder Füller – Elvira bekam den gleichen, den passenden Kuli oben drauf. Die Erlebnisse mit Elvira Arg ziehen sich – wie ein roter Faden – durch die Biografie der mittlerweile erwachsenen Ich-Erzählerin. „Als unsere Zulassungen kamen, bewarb ich mich für das Studentenwohnheim. Elviras Eltern kauften eine Eigentumswohnung.“
Die Geschichte endet mit Elviras Trauung, in der sie im wahrsten Sinne des Wortes einen „oben drauf“ bekommt. Im Vorraum zum Klo trifft die Ich-Erzählerin auf die kreidebleiche Elvira, deren frischgebackener Ehemann auf der Bank sitzend „gerade die vollbusige Theatergarderobiere bei sich oben drauf“ steckt.
An diese pointierte Zuspitzung der Ereignisse und den markerschütternden Schrei von Elvira Arg wird der Leser sicher noch lange zurückdenken.

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3. Preis

Sandro Cerny

für "Kein Wort!"

Urteil der Jury:

Von der Ausweglosigkeit und Sprachlosigkeit einer zerstörten und von Gewalt durchzogenen Kindheit, erzählt die tiefsinnige Kurzgeschichte „Kein Wort“ des Autors Sandro Cerny. Jan hatte tatsächlich vor langer Zeit entschieden, nicht mehr zu sprechen. Denn er fürchtete die Antworten auf seine Fragen...
Schnuffi, die kleine Stoffgiraffe, das literarische Symbol für den stummen Hilferuf des kleinen Jungen nach Liebe und Wärme, wird zum einzigen Trost in einer unbarmherzigen Umgebung, in der die suchtkranke Mutter das junge Leben ihres Sohnes nicht schützt, sondern buchstäblich zu erschlagen droht. Mittlerweile erwachsen geworden und in der Psychiatrie lebend, leidet Jan an einer dissoziativen Störung. Das geliebte Stofftier hält er immer noch in der Hand, aber auch die Fachleute verstehen seine stummen Worte nicht. Um sich zu schützen, hat Jans Seele sich in mehrere Persönlichkeiten geteilt, die sich nicht mehr zu einem Ganzen vereinen lassen.
Die Kurzgeschichte führt den Leser am Ende zu der tragischen Erkenntnis, dass „Fälle“, mit denen sich Psychiater lehrbuchgemäß beschäftigen müssen, immer dann entstehen, wenn stumme Schreie nicht gehört und die Abwärtsspirale traumatischer menschlicher Entwicklungen von der Umwelt weder bemerkt und gestoppt werden kann. Dies am Beispiel des kleinen Jan darzustellen, ist Sandro Cerny ausgezeichnet gelungen.

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4. Preis

Teresa Yobelyn Massamba Mountsamboté

für "Ausgereimt"

Urteil der Jury:

In der Kurzgeschichte „Ausgereimt“ der Autorin Teresa Yobelyn Massamba Mountsamboté, unterschätzt die weibliche Hauptfigur, Emilia, die negative Sogwirkung, die von einem sozialen Umfeld, in dem Drogen konsumiert werden, ausgehen kann und befolgt den Rat ihres Therapeuten, in eine Klinik zu gehen, nicht. Leben ändern, meinte er. Klinik, meinte er. Doch sie brauchte keine Klinik!
Das Loch, welches das Fehlen der Droge hinterlässt, will Emilia stattdessen mit der Poesie füllen. Sie beginnt Gedichte zu schreiben und entdeckt in sich ein Talent zum Reimen. Doch als eine Party in ihrer Wohnung stattfindet, an der auch der süffisant grinsende Dealer teilnimmt, gibt er ihr einen Fuffi, sie rollte den Geldschein und zog sich alles auf einmal in die Nase.
In mileuspezifischer, authentischer Sprache vermittelt die Autorin den Lesern die Erkenntnis, dass ein Süchtiger niemals das System, das die Probleme mitverursacht hat, ohne einen Ortswechsel bekämpfen kann. Am Ende begreift Emilia, dass sie in eine Klinik muss, um endgültig von den Drogen loszukommen und ihr Therapeut verspricht, alles in die Wege zu leiten.
Eine Geschichte, die zeigt, dass Talente allein nicht ausreichen, um einen Menschen auf einen neuen, besseren Weg zu führen.

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5. Preis

Elke Gehm

für "Süßer Abschied"

Urteil der Jury:

Die ganzen sechsundzwanzig Ehejahre hab ich nie an seiner Treue gezweifelt. Was für ein grandioser Schauspieler ist doch an ihm verloren gegangen....
Fast nimmt die Ich-Erzählerin sich selbst die trauernde Witwe ab, als sie, inmitten der Trauergemeinde, Abschied von ihrem Ehemann Karl, der Liebe ihres Lebens, nimmt. Wäre da nicht Antagonistin Ruth, die flotte Nachbarin mit den Highheels, die mehr Pep und mehr Feuer hat und mit der sich Karl jahrelang im Nachbarbett ausgetobt hat.
Die Autorin Elke Gehm lässt die Handlung gekonnt in das Genre einer Kriminalerzählung übergehen. Der Gedanke, der im Kopf der Ich-Erzählerin pulsiert, wird immer drängender und der Show-Down beginnt. Sie lädt die verhasste Nachbarin kurzerhand zu Kaffee und Kuchen ein.
Rizin, das sich in den Kuchenteig mischen lässt und im Körper nicht nachweisbar ist, führt dazu, dass nicht nur die Nachbarschaft zwischen der Ich-Erzählerin und Ruth stirbt, sondern auch die Nachbarin selbst. Am Ende triumphiert die Ich-Erzählerin, der die hohe Lebensversicherung von Karl bereits ausgezahlt wurde.
Elke Gehm schreibt in einem flüssigen und unterhaltsamen Sprachstil, der optimal zum Inhalt der Geschichte passt.

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