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1. Preis

Anja Spindler

für "Robocat"

Urteil der Jury:

Die Zukunft in Robocat erscheint als amüsante und dadurch entlastende Übertreibung der realen Herausforderungen der Gegenwart. Hauptfigur ist ein Mann, der abends einsam durch leere Straßen geht. Die Frage brauchst du Gesellschaft? richtet sich unter Pandemiebedingungen nicht nur an ihn, sondern auch an uns. Als Lösung wird eine mechanische, mit Künstlicher Intelligenz ausgestattete Katze angeboten – sehr niedlich und flauschig zuerst. Doch dann entpuppt sie sich als noch katzenhafter als reale Katzen: rücksichtslos, findig und überaus fordernd, und dabei so selbstbewusst, dass man trotz allem hingerissen ist. Durch die Prägung auf die Hauptfigur ist es zudem unmöglich, das neue Haustier/die neue Chefin je wieder loszuwerden. An dieser Geschichte beeindruckt der nonchalante Herrschaftsanspruch der Robocat ebenso wie die souveräne Erzähltechnik. Anja Spindler pflegt dabei einen leichtfüßigen und beiläufigen Ton. Dadurch entsteht eine humorvolle Distanz, die einen alles etwas leichter nehmen lässt.

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2. Preis

Jasper Flynnt

für "Jetzt oder nie"

Urteil der Jury:

Jetzt oder nie behandelt ein klassisches Sujet. Es geht um „das erste Mal“, um die Nervosität, das Zögern, die Zweifel und Ängste. In diesem Fall gibt es jedoch einen Twist. Die Geschichte erzählt von einem Coming Out, das zwar nicht definiert wird, dennoch aber deutlich macht, der Ich-Erzähler steht nicht auf Frauen. Er hat schon länger diesen Verdacht, und er hat Angst davor, ihn zur Gewissheit zu erhärten. Als sich ihm eine Gelegenheit bietet, beschließt er, sie zu nutzen. Die psychologische Situation ist komplex, und die Entdeckung der sexuellen Identität wird nicht heroisiert oder romantisiert oder als große Errungenschaft gezeigt. Wir haben es eher mit einem für alle Beteiligten demütigenden Ereignis zu tun. An einer Stelle wird es direkt gesagt: Ich war ein Arsch, ich benutzte sie, um herauszubekommen, was mit mir los war. Selbst in diesem emanzipatorischen Akt ist die junge Frau also lediglich ein Objekt und die Selbsterkenntnis hat einen Preis, den jemand anders zahlen muss. Man spürt, dass die Ich-Figur nicht stolz darauf ist. Jasper Flynnts Geschichte wird durch diesen ganz und gar unglamourösen Realismus zu etwas Besonderem.

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3. Preis

Astrid Deschler

für "Die erste Liebe"

Urteil der Jury:

Die Ich-Erzählerin in Die erste Liebe ist an einem Punkt im Leben angekommen, da man mit einer gewissen Wehmut der Anfänge gedenkt, der Energie und Begeisterung, die man früher für das Leben hatte, bevor alles zu grauem Alltag wurde. Die Erinnerung an die erste Jugendliebe führt der Ich-Erzählerin den Kontrast zwischen damals und heute vor Augen. Man lebt seit Jahrzehnten als „glückliche Familie“ – aber ist überhaupt noch etwas übrig von dem, was man „Glück“ nennt? Die Antwort ist nicht der Anstoß, aus dem jetzigen Leben auszubrechen und erneut die Intensität der Jugend zu suchen; es geht nicht um einen „zweiten Frühling“. Die Ich-Erzählerin erkennt, dass sie nie wieder jung sein wird. Das ist ein wenig ernüchternd. Aber sie hat etwas anderes, das der überbordenden Intensität der Jugend fehlt: einen reichen Erinnerungsschatz, Gelassenheit und die stillere, tiefere Freude, die man erst in späteren Lebensjahren erfährt. Die Ich-Erzählerin in Astrid Deschlers Geschichte wirkt in diesem Sinne sehr authentisch und überzeugend.

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4. Preis

Lina Herfurt

für "Die Stille der Platanen"

Urteil der Jury:

Lina Herfurt erzählt von Martha, die ein Problem mit der Wahrnehmung ihrer eigenen Stimme hat. An der Oberfläche sieht es aus, als wären der wortgewandte Schriftsteller Carlo, der sich nie ganz auf sie einlassen kann, sowie eine unbeabsichtigte Schwangerschaft das Problem. Eigentlich sind es jedoch Marthas Selbstzweifel und das Gefühl, niemand zu sein und nicht zu genügen. Sie hält wider besseren Wissens an Carlo fest und sie glaubt, als Mutter nicht genügen zu können, und sie hört auf die allzu lauten Stimmen der Vernunft und vereinbart einen Termin für die Abtreibung. Das Motiv der Platanen, die sie nicht daran hindern, charakterisiert Martha deutlich. Sie möchte, dass jemand ihr sagt, was zu tun ist und erhofft sich Erlösung von Bäumen, die jedoch nur als Zeugen am Rand ihres Weges stehen können. Lina Herfurt zeigt in Die Stille der Platanen, was passieren kann, wenn man die eigene Stimme nicht hören kann, und zwar in aller Konsequenz.

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5. Preis

Anna Klee

für "Nebenkriegsschauplatz"

Urteil der Jury:

Anna Klee Geschichte fängt vergleichsweise harmlos an: Eine Tochter fühlt sich verpflichtet, ihrem mürrischen Vater zum Geburtstag zu gratulieren, obwohl ihr eigentlich nicht danach ist. Sie mimt gute Laune, wie immer. Erst nach einem Drittel der Geschichte wird langsam deutlich, dass dieses Problem nur ein Nebenkriegsschauplatz ist. Die Hauptfigur gehört zu einer Besatzungsmacht in einem fremden Land. Zwei ihrer Kameraden sind heute erschossen worden, doch sie kann ihrem Vater davon nicht erzählen. Er ist alt, und er hasst es. Andere werden erst gar nicht so alt, sagt die Tochter. Das Telefonat selbst wird zu einer Art Rückzugsgefecht, der Kampf um die Beziehung zum Vater scheint verloren, ebenso wie das Leben der beiden Kollegen. Anna Klee verbindet hier beide Erzählebenen wirkungsvoll über das Motiv „Krieg“ miteinander und zeigt, dass das Leben immer ein Ganzes ist und seine Schauplätze sich nicht wirklich voneinander trennen lassen.

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