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1. Preis

Laura Lehmann

für "Das Leben, welches mich vergaß"

Urteil der Jury:

Laura Lehmann erzählt vom schleichenden Prozess des Älterwerdens und des Vergessens, das Rosas Leben in einen dichten Nebel einhüllt und ihre Erinnerung auf den Augenblick der Gegenwart reduziert.
Die Perspektive der Ich-Erzählerin, deren Ich immer mehr verschwimmt und die sich nur noch mit Hilfe vieler kleiner Post-its erinnern kann, lässt den Leser unmittelbar an der verzweifelten Suche nach dem eigenen Leben teilhaben „Es war kein freier Fleck der braunen Lackierung mehr zu erkennen. Ein Leben auf Papier.“
Laura Lehmann ist eine eindringliche Geschichte gelungen, die den verzweifelten Kampf der Ich-Erzählerin, ihr leeres Gedächtnis mit Erinnerung zu füllen, einfühlsam darstellt. Die Erkenntnis, die am Ende steht, bringt die bittere Wahrheit auf den Punkt: „Ich bin Rosa und ich weiß nicht, wer Rosa ist.“ Eine gelungene literarische Kurzgeschichte, die den Leser betroffen zurücklässt.

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2. Preis

Susanne Friedrich

für "Der entschwundene Vater"

Urteil der Jury:

Vom Tod des Vaters und von der damit verbundenen Erinnerung an eine Zeit, die von Gleichgültigkeit und Lieblosigkeit geprägt ist, handelt Susanne Friedrichs Kurzgeschichte.
Heike steht am Grab ihres Vaters und in ihrem Kopf erwachen die Erinnerungen. Sie durchlebt noch einmal Szenen ihres Lebens, die unmittelbar mit dem Vater und mit Gefühlen von Einsamkeit und Schmerz verbunden sind. Während der Vater von jeher der Meinung war, dass er sich der Tochter gegenüber „immer moralisch, emotional und materiell einwandfrei“ verhalten habe, muss sich Heike am Ende in hohem Bogen in sein Grab erbrechen, um von den negativen Gefühlen, die er in ihr zurück gelassen hat, endlich frei zu werden.
Die gelungene szenische Erzählweise der Autorin und die Cuts, die sie hinter die Erinnerungen, die wie ein Film im Inneren der Protagonistin ablaufen, setzt, passen 1:1 zum Inhalt.

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3. Preis

Peter Kensok

für "Das Hüpfloch"

Urteil der Jury:

In unterhaltsamen Dialogstil erzählt Peter Kensok vom Alltag einer Familie in der Coronakrise.
Die Mutter befindet sich im „Corona Home Office online“, der Vater räumt inzwischen die Küche auf und die sechsjährige Lele entdeckt in den Socken ihres Opas ein Loch, das den Vater schlagartig ernst werden lässt. Sollte der Opa etwa seit Tagen dieselben Socken tragen?
Doch der Opa weiß sich zu verteidigen und beginnt mit Lele einen ebenso heiteren wie fantasievollen Dialog um die Frage, was wohl das Loch in seinem Strumpf macht.
Es gelingt dem Autor ausgezeichnet, dem Leser zu vermitteln, dass man dem Alltag in der Corona-Krise mit Heiterkeit und Fantasie für einen kurzen Moment entfliehen kann. Während sich der Vater darüber entsetzt, dass der Opa seit vier Tagen die gleichen Socken trägt, lässt Peter Kensok in der überschäumenden kindlichen Fantasie von Lele das Hüpfloch lebendig werden.

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4. Preis

Julia Rieck

für "Schreibblockaden"

Urteil der Jury:

Die Protagonistin ist Schriftstellerin und versucht verzweifelt, sich auf die Welt ihrer fiktiven Figur, Quendolia, zu konzentrieren, während die Realität sie mehr und mehr einholt. Während in Quendolias Welt „absolute Stille“ herrscht, tobt im Kinderzimmer nebenan der Kampf um die Nintendo-Spielkonsole.
Aus der unmittelbaren Ich-Perspektive der Erzählerin wird spürbar, wie sich Alltagsrealität und Fantasiewelt mehr und mehr vermischen und die Protagonistin sich zunehmend besser gegen die Übergriffe ihrer Kinder zur Wehr setzen kann. Alltag und Schreibprozess ergänzen sich gegenseitig und ergeben eine neue Sicht auf die Dinge.
Am Ende kehrt die Protagonistin in ihre Fantasiewelt zurück, an der sie innerlich ein Stück gewachsen ist. Julia Rieck ist eine unterhaltsame Kurzgeschichte gelungen, die von Schreibblockaden, ihren Ursachen und ihrer Bewältigung erzählt.

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5. Preis

Mario Julier

für "Graublau"

Urteil der Jury:

Manfred ahnt schon länger, dass in seiner Ehe, in der nur noch Streit herrscht, etwas nicht in Ordnung ist. Alles, was er fühlt, ist Wut. Wut, die Mario Julier für den Leser spürbar werden lässt in seiner Kurzgeschichte „Graublau“.
Die Handlung trägt im Aufbau Züge eines Thrillers. Es beginnt mit der Frage des Protagonisten, wer dieser Andreas Kölsch sei, der für Manfred zum Antagonisten seiner neun Jahre dauernden Ehe geworden ist. Nachdem sich „sein Adrenalinspiegel gelegt hat“, wird Manfred in der Freundesliste seiner Frau bei Facebook fündig und der Antagonist bekommt ein Gesicht. Manfred kannte diesen Blick, kannte diese Augen. Es sind schöne Augen.
Dem Autor ist eine packende Handlung mit einem Spannungsbogen gelungen, der von Anfang bis Ende nicht unterbrochen wird und die Leser in Hinblick auf die Frage, wer der Antagonist ist, in Atem hält. Die Auflösung am Schluss, der überraschende Wendepunkt, wird der Leser sicher noch lange in Erinnerung behalten.

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