Suche
X

1. Preis

Peter Kensok

für "Flasche investiert"

Urteil der Jury:

Flasche investiert ist eine Miniatur, der es auf engstem Raum gelingt, eine vollständige Milieuschilderung mit einer rührend schönen Geschichte zu verbinden. Peter Kensok erzählt mit großer Ruhe, der Text bewegt sich gemächlich und methodisch voran, wie auch die ‚sozial abgehängten‘ Figuren im Viertel, die sonst keiner wahrnimmt: der Flaschensammler und der Zeitungsausträger.
Sprachlich spielt Peter Kensok mit Begriffen, ohne sie zu überdehnen: ‚Flasche‘ zum Beispiel steht alltagssprachlich eigentlich für einen Versager, und im Allgemeinen würde man einen Flaschensammler auch dafür halten. Hier aber wird Flasche zum Helden. Er hilft den Armen, sorgt für Ordnung und er investiert.
Dem zeitungsaustragenden Ich-Erzähler und dem Nazi des Viertels verhilft er sogar zu sozialem Gewissen.
Peter Kensok erzählt uns in souveränem Ton ein modernes Märchen, das vollkommen realistisch wirkt. Sogar den Lottogewinn hält man in diesem Kosmos nicht nur für möglich sondern für zwingend. Es konnte gar nicht anders kommen.

Lesen Sie hier die prämierte Geschichte

2. Preis

Daniela Gäbel

für "Septemberblüten"

Urteil der Jury:

Mit Septemberblüten legt Daniela Gäbel ein erzählendes Protokoll des Elbehochwassers aus dem Jahr 2002 vor. Da es nicht um das zeitlich noch nahe Hochwasser im Ahrtal geht, sondern um eine frühere Katastrophe, kann die Geschichte mit dem Abstand erzählt werden, der ein persönliches Fazit überhaupt erst möglich macht.
Die Geschehnisse und Eindrücke sind im Text sehr dicht gepackt und zunächst nur durch das jeweilige, vorangestellte Datum strukturiert. Die fast sachliche Konzentration auf die Vorgänge verstärkt den Eindruck, Zeugin von emotional überwältigenden Ereignissen zu sein.
Aus der Hilflosigkeit kommt die Erzählerin jedoch zunehmend ins Handeln. Sie packt mit an wo sie kann. Und irgendwann fließt das Hochwasser ab. In dem von Schlamm vergifteten Garten eines Professors, der sein Lebenswerk verloren hat und seiner Frau, die einfach jemanden zum Reden braucht, keimt neues Leben und neue Hoffnung auf. Daniela Gäbel erinnert mit dem versöhnlichen Ende daran, dass Krisenzeiten vorbeigehen und dass es darauf ankommt, einander zu helfen.

Lesen Sie hier die prämierte Geschichte

3. Preis

Philip Lanio

für "Nachtschicht"

Urteil der Jury:

Nachtschicht gehört ins Feld der Spannungsliteratur und könnte als humoristischer Minithriller bezeichnet werden.
Der Ton ist sarkastisch und impliziert von Anfang an, dass auf jeden Fall alles schiefgehen wird, was schiefgehen kann: Joes neuer Nachtjob an einer wenig frequentierten Tankstelle entpuppt sich als leider gar nicht so ruhig wie erhofft. Eigentlich wollte er die Zeit nutzen, um fürs Studium zu lernen, doch die Tankstelle zieht gerade in der Nacht lauter schräge Typen an. Und dann treibt auch noch ein Serienmörder in der Gegend sein Unwesen, und dessen Beuteschema passt genau auf eine schöne, junge Kundin, die eines Nachts die Tankstelle betritt. Als Joe auf dem Rücksitz ihres Wagens eine Bewegung bemerkt, wird er zum Helden.
Die Wendung am Ende ist nicht unbedingt überraschend, dennoch aber befriedigend. Philip Lanio zeigt hier, dass Spannung auch daraus entstehen kann, dass man schon ahnt, wie es ausgehen muss. Das Interessante ist in diesem Fall weniger das Was und mehr das Wie. Und am Ende ist man zufrieden, dass man recht behalten hat.

Lesen Sie hier die prämierte Geschichte

4. Preis

Anna-Christin Ramspoth

für "Das Echo der Freiheit"

Urteil der Jury:

Das Echo der Freiheit zieht die Ich-Erzählerin aus dem gewohnten Arbeits- und Alltagstrott mit all den Pflichten, Notwendigkeiten und schalen Verlockungen aus dem Haus und durch die Stadt ins Freie.
Durch eine Fülle an Metaphern und Vergleichen vermittelt der Text das Gefühl, in einem beklemmenden Traum festzustecken. Auch die gleitende Blickführung trägt dazu bei. Es werden hier keine harten Schnitte gesetzt, Bilder und Gedanken fließen nahtlos ineinander.
Es ist dabei weniger eine äußere Gefangenschaft der Ich-Erzählerin, die sie in diesem Albtraum festhält, sondern eine innere Unfreiheit, die entsteht, wenn man verlernt, auf die eigenen Herzenswünsche zu hören und sich allzu sehr anpasst. Insofern steht Anna-Christin Ramspoths Ich-Erzählerin als Platzhalterin für das Herz jeder Leserin und jedes Lesers, das sich nach Freiheit sehnt.
Erzählt wird der Moment des Ausbrechens und Aufwachens aus dem grauen Alltagstraum in eine Welt voller Leben und sinnlicher Eindrücke.

Lesen Sie hier die prämierte Geschichte

5. Preis

Alyson Stegmann

für "Eine böse Vorahnung"

Urteil der Jury:

Diese unheimliche Kindergeschichte greift das klassische Motiv vom gestohlenen Lachen auf. Wir befinden uns auf einer Waldlichtung nahe bei einem heruntergekommenen Wohnblock. Einige Kinder verbringen den Tag draußen und Maya ist dazu abkommandiert, sich um die Jüngeren zu kümmern, während ihre Mutter nach einer Nachtschicht als Krankenschwester den Tag verschläft. In solchen Kindergruppen kursieren immer auch Geschichten über seltsame Nachbarn und gruselige Orte. Maya muss ihre Schwester, die sich verletzt hat, nach Hause bringen und lässt – wegen der Geschichten mit einem unguten Gefühl – die jüngeren Kinder auf dem Spielplatz zurück.
Wenn sie am Ende zurückkehrt und die Kinder stumm vorfindet, fragt man sich: hat die Frau im roten Mantel ihr Lachen gestohlen? Oder sind sie nur erschrocken? Und ist das ein gestohlenes Lachen, das Maya in der Ferne hört? Oder lacht dort einfach ein Kind?
Die Antwort hält Alyson Stegmann in der Schwebe, und genau darum kann man sich beim Lesen wieder wie ein Kind fühlen, dessen drängendsten Ängste und Fragen so oft in dem großen Reich zwischen Realität und Fantasie liegen

Lesen Sie hier die prämierte Geschichte